Vor, während und nach der Operation (hier ist mein ausführlicher Bericht) habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich in Form von Tipps und Tricks weitergeben möchte; auch hier gilt, dass es sich um meine subjektiven Erfahrungen handelt:
1. Traue niemals dem WWW
Wie immer tummeln sich auch zu diesem Thema unzählige Firmen, Betroffene und Hersteller im Netz. In zahlreichen Foren werden die jeweiligen Verfahren von Patienten gepriesen. Doch Vorsicht – oft stecken die Hersteller bzw. Anbieter des jeweiligen Verfahrens als Betreiber hinter der Seite. Eine objektive Meinung und vor allem objektive Vergleiche von Verfahren bzw. Nachrichten über fehlerhafte Eingriffe sind nicht vorhanden.
2. Zahlen, Fakten, Daten – oder Gefühl
Nach gründlicher Recherche findet man diverse Zahlen und Fakten zu den verschiedenen Methoden der Korrektur von Fehlsichtigkeit. Doch was bedeutet z.B. eine Fehlerquote bei der Operation von 0,01% konkret? Wie geht man mit der Gefahr einer Restfehlsichtigkeit um? Ist der eine kritische Eintrag in einem Internetforum entscheidender als viele Positivmeldungen?
Letztendlich muss das eigene Gefühl entscheiden – vor allem wenn es um Laser oder Linsenimplantation geht. Jede OP birgt Gefahren – lasse ich mir deshalb aber keine Karies beim Zahnarzt mehr behandeln? Nur die subjektive Bewertung der Vor- und Nachteile einer Korrekturmethode aus der eigenen persönlichen Sicht ermöglicht letztendlich eine tragfähige Entscheidung.
3. Kosten
Sicherlich, Lasern und Linseneinsatz gelten als Schönheits-OP; mit Brillen und Kontaktlinsen stehen ausreichende Korrekturmöglichkeiten zur Verfügung. Nur wenn diese Methoden nachweislich medizinisch nicht verwendbar sind (Linsen- und Brillenunverträglichkeit, o.ä.) ist eine Kostenübernahme durch die Kasse sicher. Allerdings muss die medizinische Indikation durch einen Arzt sehr genau nachgewiesen werden.
Gesetzliche und private Kassen übernehmen diese Kosten also in der Regel nicht – oder? Mein Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten und meine eigene Erfahrung zeigen, dass sich eine individuelle Anfrage bei der Kasse lohnt. Aber bitte nicht per Brief an ein anonymes Kundenservicezentrum, sondern im direkten Gespräch mit dem zuständigen Betreuer. So habe auch ich eine Zusage zur 100%igen Kostenübernahme von meiner privaten Kasse erhalten! Veröffentlichen wird die Kasse dies nie, welche Kasse will sich schon „nicht satzungskonforme Ausgaben“ oder gar „Mittelverschendung“ vorwerfen lassen?
Auch lohnt sich im Beratungsgespräch beim Arzt gezielt nach dem Thema Kostenerstattung zu fragen; ggf. kann er Tipps geben oder sogar einen Befundbericht mit der medizinischen Notwendigkeit erstellen.
4. Alle Termine sind notwendig
Zumindest bei mir ergab sich der Fall, dass ich zu einer zweiten Voruntersuchung nach Mannheim einbestellt wurde. Erst vor Ort stellte sich heraus, dass dies nicht nötig ist, da bereits bei der ersten Untersuchung alle Werte ermittelt wurden. Also rückfragen lohnt sich und erspart einem Fahrwege und Urlaubstage.
5. Operation = krank = Krankenschein
Wie unter Punkt 3 schon erwähnt handelt es sich bei Linseneinsatz in der Regel um eine Schönheitsoperation. Der Eingriff hat also keine medizinische Indikation und fällt daher nicht unter Krankheit. Folglich ist man nicht krankgeschrieben sondern muss Urlaub oder Überstunden nehmen. Aber auch hier lohnt sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Zumindest einige der von mir befragten Kunden erhielten Sonderurlaub oder man einigte sich auf eine 50:50 Regelung. Ich selbst habe gleich vier Tage Urlaub eingereicht und erst gar nicht nachgefragt, da mir diese Operation die vier Tage Urlaub wert waren.
6. Das ruhige Zimmer zum Hof
Das Hotel Mack liegt zentral und bietet Zimmer zur Straße oder aber zum Hof. In Erwartung ruhiger Nächte habe ich mich für die Hofseite entschieden. Leider hat sich herausgestellt, dass dieser Hof von ca. 5 Häusern mit zig Balkonen eingegrenzt wird; dem Lärmpegel im Innhof nach zu schließen, gab es gefühlt auf jedem Balkon mindestens eine Party bis in die Morgenstunden. Jedenfalls war ich froh um den Rollladen und die doppelt verglasten Scheiben. Den Lärm der bei entsprechendem Wind über diesen Stadtteil hinwegstartenden Flugzeuge konnte dies aber auch nicht wirklich komplett dämpfen.
Nachtrag: Jetzt, nachdem ich beide OPs hinter mir habe und wieder scharf sehe, erkenne ich erst das Putz-Potential im Bad… Sauberkeit könnte auch anders aussehen.
7. Halbe Sicht = Halbe Brille
Zwischen den Operationen der beiden Augen liegt meist mindestens ein Tag. In meinem Fall wurde am Dienstag das rechte und am Donnerstag das linke Auge operiert. Für die Zeit dazwischen hat man also auf dem operierten Auge schon sehr gute Sicht ohne Brille, auf dem anderen Auge sieht man ohne Brille nichts. Jetzt könnte man auf die Idee kommen sich vom Optiker einfach das Brillenglas des zuerst zu operierenden Auges durch Fensterglas ersetzen zu lassen und somit während der Übergangszeit mit Brille auf beiden Augen scharf zu sehen.
Das bringt aber absolut nichts. Es hat sich gezeigt, dass durch die unterschiedlichen Brechungsindex von Brillenglas und einoperierter Linse nicht wirklich ein homogenes Bild vor beiden Augen entsteht. Im Gegenteil; das Sehergebnis ist nicht ertragbar. Vielmehr hat sich gezeigt, dass das Gehirn ganz gut damit klar kommt, wenn man die Brille ganz weg lässt. Das scharfe Bild des operierten Auges wird als Leitbild verwendet, das unscharfe Bild des anderen Auges wird quasi ausgeblendet; das dadurch fehlende räumliche Sehen gleicht das Gehirn durch Erfahrung ganz gut aus.